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Hella Halbmarathon …kleines Resumée

Ein paar Tage ist es schon her, mein erstes offizielles Lauferlebnis…so mit Chip am Schnürsenkel, Startnummer mit Namen, Gedränge beim Start zuviele leere Plastikbecher auf der Strecke und unnötiges Gedöns im Zielbereich.

Als ich eine Stunde bevor der Wecker klingelte aufwachte hörte ich sattes Prasseln vor dem Fenster. Es schüttete aus Kübeln. WAS für ein Wetter! Gedanklich verwarf ich sofort mein Laufdress , das ich mir am Vorabend bereit gelegt hatte und überlegte ob ich 21 km mit „Regenjacke“(= billiges 10 Euro Ding… drinnen ist man ziemlich schnell so nass wie man es auch ohne Jacke wäre nur eben wärmer…manchmal zu warm…ganz manchmal ganz sehr sehr sehr zu warm) überlebe. Kurz habe ich mit dem Gedanken gespielt den Lauf zu schwänzen aber das Gefühl mich hier der Bequemlichkeit hingeben zu wollen wollte ich nicht auf mir sitzen lassen. Also raus aus den Federn… anziehen…Rucksack packen.. Bananensmoothie frühstücken…“Regenjacke“ an und los gehts.

Ich hab weit und breit niemanden außer meiner Wenigkeit mit Rucksack laufen sehen…war ja klar… ich bin immer der Meinung es könne auf der Strecke wer weiß was passieren. Was ist wenn ich mich einen Kilometer nach der letzten Verpflegungsstation verschlucke oder einen trockenen Hals bekomme oder halb verdurste. Nur weil der Veranstalter die Strecke so einteilt, dass man alle fünf Kilometer Durst hat heisst das nicht zwingend dass das auf alle so zutreffen muss. Ich bin da (befürchte ich) etwas speziell.Also hatte ich alles dabei was man zum überleben braucht:

  • Taschentücher
  • Asthmaspray
  • Nasenspray
  • Fettstift für die Lippen (mit spröden Lippen komme ich keinen Meter weit)
  • Riegel (roo’bar kakao mit Kakaonibs…mjamm) …mehrerere…
  • Wasser und davon viel
  • Handy (damit mein Kerl mich orten kann um Schnappschüsse zu machen was nicht funktioniert hat da meine app nach 5 km abgestürzt ist hahaha)
  • Regenjacke (kein Schönwetter in HH)

Damit war der Rucksack (Salomon 3 Liter) dann auch schon gerammelt voll. Das Volumen sozusagen komplett ausgereizt.

Und weil meine App nicht das tat was eine Runningapp tun soll habe ich so ein wunderschönes Lauffoto erworben (so wie die Dinger die man nach der Geisterbahnfahrt kaufen kann:))

Ich sag Euch nicht wie die anderen Fotos aussahen. So ein gutbetuchtes Knie 40 plus sieht schon sehr speziell beim Aufprall des Fusses auf Asphalt aus:)) Das erspare ich Euch und mir ich hab hier eins mit schönen Knien rausgesucht:)

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Beim Start war ich völlig überfordert…. ein Dixieklo zu benutzen dass schon sein Wochen   gestern auf dem Kiez steht ist nicht wirklich nett und dem Geruch und der Füllhöhe nach zu urteilen haben das weitaus mehr Menschen als nur die hiesigen Läufer genutzt. Auch hier spare ich mit Details.

Beim Start habe ich erst den Eingang zur Startzone nicht gefunden und dann nach den Zielzeitschildern gesucht. Als ich sie endlich gefunden hatte stellte ich fest dass ich total falsch eingereiht war und mich noch weit weit nach hinten durchkämpfen musste…was für eine Schmach. Lange überlegte ich hin und her ob ich mich bei 2:15 oder 2:30 positionieren sollte, entschied mich dann aber heldenmutig für 2:15. Zurückfallen geht immer. Meine Hüfte und Gesäß ziepten und schmerzten, von oben fiel kühler Regen auf uns herab. Was für ein mistiger Tag für einen Lauf…hätte ich nicht 41 Euro für das Spektakel überwiesen wäre ich wieder nach Hause zu meinem Milchkaffee und ins warme Bett gekrabbelt aber so sah ich mich gezwungen jeden Euro eisern abzulaufen.

Endlich fiel das Startsignal und ich setzte mich langsam in Bewegung. Als ich über die Startlinie lief drückte ich den Knopf auf meiner Uhr. Auch was die Zeitmessung betrifft möchte ich mich nur auf mich selbst verlassen:)

Anfangs ging es gleich schön bergauf. Ein Fehler auf das Einlaufen verzichtet zu haben aber so diente die erste Steigung gleich zum warm werden, die ersten Kilometer mussten ja eh doppelt gelaufen werden (psychologisch gesehen gar nicht schlau so eine Streckenführung) . Während wir mit der ersten Runde noch nicht mal fertig waren überholte uns schon die Spitze mit der zweiten Runde.  Ich werde hier leider nicht für Schnelligkeit bezahlt.

Bei Kilometer 10 überquerte ich die Linie mit 59 Minuten was meinen Ehrgeiz weckte. Zwar brannte der linke Oberschenkel aber jetzt war es mir auch egal ob ich die nächste Woche altersheimgleich vornübergebeugt und stöhnend langsam einen Fuss vor dem anderen herschieben würde oder meinen Osteopathen dauerhaft in Beschlag nehmen muss …NO PAIN NO GAIN…oder wie es hiess…also hopphopphopp!

Mein Puls in der zweiten Hälfte lag zugegebenermaßen weit über dem empfohlenen HM Renntempobereich aber das habe ich ignoriert. Hatte ich doch meine Riegelchen die ich in kurzen Abständen verputzte und die mich weitertrieben. Ausserdem wusste ich , dass im Ziel ein eiskaltes Erdinger auf mich wartet. Und je schneller ich da bin umso weniger muss ich laufen (ääääh…. oder so ähnlich).

Auf der Kennedybrücke wollte mich meine Familie anfeuern aber im grauen Nieselregen war niemand zu sehen. Wahrscheinlich haben sie aus dem Fenster geguckt  und beschlossen sich nochmal gemütlich auf die Seite zu drehen…… also weiter ohne bejubelt zu werden.

Drei Kilometer vor der Zielgerade habe ich meinen letzten halben Rawbite Coconut Riegel aus dem Rucksack gezerrt um nochmal ein bisschen Speed in die müden Beine zu bekommen. Als ich gerade die Verpackung löste fiel mir der kostbare Treibstoff direkt vor die Füsse. Man oh man so wird das nix mit „Bestzeiten“:

Durchs Ziel rannte ich bei 1:56:irgendwas…. meine Uhr allerdings sagte 1:52:13…na bitte… da hauen die mir einfach nochmal knapp vier Minuten obendrauf… wer sich nicht auf sich selbst verlässt…:)

Angesichts der Tatsache dass ich mich mit Schmerzen aus dem Bett gequält habe im Regen an den Start gegangen bin und generell nicht die Schnellste bin…. habe ich mich wirklich gut geschlagen. Allen Grund stolz auf mich zu sein aber das gute Gefühl blieb aus. Irgendwie hat mich der Lauf nicht besonders beeindruckt. Kein Glücksgefühl wie nach einem WOD „es“ geschafft zu haben… nicht mal das Bier war jetzt so der Bringer. Keine Ahnung was da los war. Vielleicht tagesformabhängig? Vielleicht sind Strassenläufe einfach nicht meins? Keine Ahnung …ich werde es im Auge behalten. Einen Marathon im Herbst habe ich ja noch vor mir (und der ist auch schon bezahlt:))

By the way…die Schmerzen im Vorfeld des Laufes: Einen Tag vor dem Lauf erreichten sie ihren absoluten Höhepunkt aber auch in den Wochen davor hatte ich sehr zu kämpfen. Das spannende und wofür es sich jetzt wirklich gelohnt hat zu laufen ist: Die Schmerzen sind komplett und nachhaltig weg. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Montags bin ich morgens locker ein paar km gelaufen, danach beim Crossfit gewesen..Dienstag 10 km gelaufen und Mittwoch wieder ein hartes WOD….keine Schmerzen. Nix. Weggezaubert. Vom Asphalt verschluckt. Hammer. Dafür hat es sich definitiv gelohnt:)

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2 Kommentare

  1. Nicole sagt

    Das ist ein toller blog! Ich lese sehr begeistert und bewundernd von ihren sportlichen Aktivitäten und ihrem Leben ! Bin selbst Läuferin\ Mutter von 3\ Heilpraktikerin und habe mich neulich über ihre Sätze zu den Orthopäden sehr amüsiert. Bitte weiterschreiben! Und weiterlaufen ! Laufen tut so gut. Mit besten Grüßen

  2. Liebe Nicole… super danke und schön, dass es dir hier gefällt…ich duze mal ganz ungeniert, denn mit der Siezerei bin ich auch ob der langen Jahre und tiefer werdenden Falten immer noch nicht warm geworden:)))

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