Marathon
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The weeks after…….

So. Nun isser seit 3 Wochen vorbei. Mein Marathon. Aufregend wars…sowohl davor…währendessen und (wer hätte das gedacht?) auch danach!

Ich bin 3 Tage vor meinem grossen Tag in Mainhatten eingereist um mich an die dortige schlechte Luft anzupassen:) Ich residierte unweit des Startdomiziles und lief meine letzten wenigen Kilometer meist in der Dunkelheit am Main entlang. Zugegebenermaßen mit einer doch recht ansprechenden Hintergrundkulisse die (so grell beleuchtet) jedes Blinkarmbändchen überflüssig machte.

Die Tage davor ging es mir überwiegen kolossal schlecht. Mein Kopf drohte zu platzen der Hals war gereizt die Schleimhäute spielten verrückt. Ich wachte morgens mit XXL Derrick- Tränensäcken auf und sowohl mein körperliches Befinden als auch meine erlaufene Leistung auf meinen abendlichen 6 Main- Kilometern sahen eher danach aus als handle es sich bei der sich am Mainufer dahinschleppende Kreatur eher um eine Laufanfängerin die sich nach halbwegs überstandenem Alkoholentzug unter schwersten Bedingungen den Start in ein neues Leben erkämpft. Ein erbärmliches Gefühl was hier einen übertrieben dargestellten Eindruck hinterlassen kann aaaaber: So wars. Mein Ernst. Indianderdoppelschwör!

Zwei Tage vorm Start habe ich dann doch noch die Türen einer Sachsenhäuser Arztpraxis eingerannt und mein Dilemma geschildert. Mit Halstabletten und einem („das ist ganz neu auf’m Markt Frau K.“) Allergiespray verließ ich die Praxis. Und tatsächlich. Im Verlauf des Tages verbesserte sich mein Zustand zusehends. Am Samstag hatte ich das Gefühl, dass ein Start am darauffolgenden Tag tatsächlich möglich sein könnte und ich traute mir sogar zu die 10 km Marke zu knacken. Wenn ich abbrechen muss dann isses eben so. „Radikale Akzeptanz“ diktierte ich meinem Hirn. Es ist wie es ist.

In diesen Tagen entdeckte ich meine hysterische Komponente. Wir lernten uns zum ersten Mal so richtig gut kennen. Mein engeres Umfeld übrigens auch. Ich habe im Nachhinein nicht nachgefragt wie sehr (auf einer Skala von 1 bis 10) ich ihnen auf die Nerven gegangen bin.  Nein ich wollte es nicht wissen.

Ich bin für „Laufen gegen Leiden “ gelaufen. Und es war mir auch wichtig diese Message über die 42,1irgendwas km zu transportieren. Das hat sogar dazu geführt dass ich ohne meinen allerliebsten Rucksack gelaufen bin (und der Schritt dahin fiel mir wirklich sehr schwer…:))

Am Vorabend trafen sich die „Laufen gegen Leiden“ Läufer im veg. Restaurant Wondergood. Auf Grund meiner div. Befindlichkeitsstörungen aß ich „vertraut“ und mied Experimente:) Es gab sauleckere Vollkornpenne mit Tomatensoße und gegrilltem Gemüse. Als „Möhre für den Esel“ ließ ich mir beim bezahlen noch ein Stück der sagenumwobenen Snickerstorte einpacken dessen kulinarische Versprechung mich am nächsten Tag bis zum Ziel geleiten sollte.

Das Treffen mit den anderen hat mir viel meiner Nervosität genommen. Ich war endlich angenehm entspannt und in einem guten Verhältnis aufgeregt. Am nächsten Morgen (nachdem ich eine halbe Stunde minütlich den Laufschuh wechselnd durch den Flur getapert bin und mich partout nicht entscheiden konnte mit welchem Schuh ich nun laufen sollte) schwang ich mich dann in der Kühle des Morgens auf das Zweitrad meiner Tante und radelte zur Messe. Ein tolles Gefühl. Ich freute mich riesig. Bei der Beutelabgabe gab es nochmal ein Gruppenfoto des Rudels bis sich alle auf ihre Startbereiche verteilten.

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Am meisten Sorgen hatte ich vorher den Gang zur Toilette nicht umsetzen zu können. Und genauso war es. Wie man für 15000 Läufer nur eine Handvoll Dixieclos bereitstellen kann ist mir ein totales Rätsel. Panisch eierte ich ums Messegelände in der Hoffnung irgendwo einen Busch o.ä. ausmachen zu können der es mir ermöglicht meine Sextanerblase zu entleeren. Es war hoffnungslos. Also stellte ich mich nervös an der 75 Meter Dixiecloschlange an und schaffte es tatsächlich auf den letzten Meter die Clotür von innen zu schließen. In meinen Starterbereich kam ich gar nicht mehr rein. Alles staute sich und man trat sich schon vor dem Start die Füsse platt. Für mich als latenten Massenphobiker eine Herausforderung die letzten 10 Minuten der totalen Enge zu überstehen. Endlich fiel der Startschuss und es ging los. Es ist tatsächlich so wie es immer beschrieben wird. Es ist kaum möglich von Anfang an eine gute Durchschnittsgeschwindigkeit hinzubekommen ,viel zu euphorisch wird man auf den ersten Kilometern beklatscht. So startete ich auf den ersten km mit einer Durchschnittspace von 4:30 die sich dann konstant auf allen folgenden Kilometern bei ca. 5:30 einpendeln sollte.

Ich hatte zwei Stunden vor dem Start einen Smoothie aus Banane, Haferflocken, Sunwarrior, Zimt, Kokosöl und einen Riegel Lovechock gefrühstückt. Im Starterblock gab es dann nochmal ein Cliffgel chocolate mit etwas Wasser runtergespült (Saulecker und absolute Empfehlung…in Zukunft nur noch Cliff:)) Auf der Strecke versorgte ich mich auf den ersten 20 km mit zwei vega Sports Gel und griff dann (warum habe ich nur die beiden mitgenommen????) zu den vom Veranstalter angebotenen High5 Gelen(die supereklig waren und zum Glück habe ich erst hinterher gelesen was da alles für ein Schrott drin ist). Die Bananen ließ ich links liegen um meinen nervösen Magen etwas zu entlasten. Die Herausforderung bestand für mich eindeutig darin das Trinken zeittechnisch geschickt zu bewerkstelligen ohne aus meinem Rhythmus zu kommen. Ich habe noch nie etwas im Laufen getrunken. (in meinem Marathonvorbereitungsbuch stand man solle sich einen Tapeziertisch vorm Haus aufbauen um beim Laufen versuchen mind. drei Becher zu greifen und diese dann in der „Knick.wie beim Gurgeln-Taktik“ hinunterstürzen ohne sich zu verschlucken und daran zugrunde zu gehen….da mir der Peinlichkeitsfaktor dann doch zu hoch war habe ich diese Generalprobe ausgelassen und durfte nun im Ernstfall üben:))  Dementsprechend schwierig gestaltete sich die Wasseraufnahme. Am Anfang habe ich viel verloren  aber bis zu den angebotenen Isogetränken ab km 15 hatte ich es einigermaßen drauf. Die Cola die ab km 35 angeboten wurde stellte mich vor neue Herausforderungen denn das geschickte Knicken des Pappbechers erwies sich bei der Cola (die im PLASTIKbecher serviert wurde) als kontraproduktiv. Die erste Cola ergoss sich nämlich durch den enstandenen Knick (Riss) direkt über meine komplette Front. Merke: Pappbecher lassen sich knicken…Plastikbecher reißen ein:)

Der gesamte Lauf war so spektakulär wie unspektakulär. Um es vorwegzunehmen. Ich habe mit 3:50 gefinisht und war unglaublich stolz auf mich. Ich habe mich gefreut dass ich mein Ziel erreicht habe. So einfach ist das.

Es sind mir aber keine wahnsinnigen Lichter aufgegangen ich habe mich auch nicht neu erlebt (wie manche von Transformationsläufen berichten) es hat mich auch sonst nicht sonderlich gewandelt oder zu einem anderen Menschen gemacht. Es war einfach eine echt schöne Erfahrung die ich wiederholen werde.

Ich war verwundert dass ich es tatsächlich schaffen kann den Marathon in einer Durchschnittspace von 5:30 zu laufen. Für mich ist das wirklich schnell. Meine Lunge gibt nicht mehr her. Ich habe Asthma und einen grottigen Vo2max. Wenn ich im Training mal max. 12 km im Marathonrenntempo gelaufen bin dachte ich schon ich sterbe. Unvorstellbar für mich das auf 42 km zu halten. Und doch es geht. Und es war nicht mal sonderlich anstrengend. Ich bin nämlich eher zögerlich damit ich  mich nicht dermaßen verausgabe, dass ich das Level zum Ende hin womöglich nicht mehr halten kann. Insofern kam ich auch einigermaßen entspannt im Ziel an.

Überraschend: Die langen tristen Abschnitte ohne Zuschauer vor denen ich anfangs gewarnt wurde sind mir am leichtsten gefallen. Da habe ich meinen Tritt gefunden und konnte mich gut auf mich konzentrieren. Wildfremde Menschen die mich angefeuert haben machten mich wiederum nervös weil ich zu Anfang immer noch dachte „hö…kenn ich die????“ 🙂 Nein man wird netterweise einfach so angefeuert.Schön und gewöhnungsbedürftig. Dem Mann mit dem Hammer bin ich nicht begegnet. Vll lag es daran dass ich mich an den Tipp von Hubert Beck gehalten habe ab km 32 damit zu beginnen mir Vordermänner auszugucken die ich überholen kann. Damit war ich dann auch gut beschäftigt. Am Ende kam dann noch eine Schleife und auf der anderen Seite sah man schon die, die gleich im Ziel waren während man selbst noch 4 km vor sich hatte. Boah dann war ich aber auch echt genervt. Ich hatte keinen Bock mehr auf die Rennerei und fluchte leise vor mich hin. Ich fand jetzt reichts aber auch. Ich hab Hunger und Durst und will mich hinsetzen (an die Snickerstorte im Kühlschrank dachte ich übrigens kein einziges mal…ich hatte eher Appetit auf Burritos und Bier).

Kurz vorm Ziel holten mich dann nochmal meine Emotionen ein. Ich musste mehrfach stehenbleiben und mich konzentrieren dass ich Luft bekomme. Ich hätte einfach nur heulen können. Ich habs geschafft! Dieses „von Emotionen überollt werden und Atemnot bekommen“ ist total anstrengend. Wenn meine Familie an der Strecke gestanden hätte wäre es noch schlimmer gewesen. Aber „zum Glück“ war ich alleine unterwegs . Kurz vorm Ziel bekam ich noch kurzen Jubel meiner kleinen Schwestern die kurz vorher mit dem Flieger aus Indonesien gelandet waren. Das war unvorhersehbar schön. Den Zieleinlauf habe ich sehr konzentriert und kontrolliert erlebt.Bloss die Emotionen zusammenhalten. Eine spannende Erfahrung.

Mein Vorhaben für den HH Marathon ist insofern keine Zeitverbesserung (was ja meist der Motivator ist) sondern in Siegerpose (Hände hoch und jubelnd!) und mich meiner selbst feiernd im Ziel einzulaufen. In diesem Sinne…YEAH! Geschafft:)

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Nach dem Marathon ging es mir (kurz zusammengefasst) ca. 2 Woche nicht wirklich besonders. Ich bin in eine Art „Post Marathon Depression“ gefallen. Mir ging alles auf die Nerven, ich hatte kein Ziel mehr mein Trainingsplan war hin, ich fühlte mich müde, lustlos und orientierungslos. Zuhause sind viele Dinge liegengeblieben die auf Erledigung warteten und mir war alles lästig. So habe ich mir ziemlich schnell ein neues Ziel gesucht und seitdem geht es mir auch wieder besser (haha). Ich werde Ende April den HH Marathon laufen und Ende Mai den Ultratraillamerwinkel. Darauf freue ich mich riesig. Denn eines hat der Marathon bestätigt. Ich bin keine zeitenfixierte Strassenwettkampfläuferin. Und werde und will es auch nicht werden. Ich will in die Natur …auf die Berge… auf längere Strecken. Mein Traum wäre 2016 den  Transalpin Run zu laufen. Es gibt es so unfassbar viele tolle Ultratrailläufe, dass ich wahrscheinlich meine Leben lang damit zu tun habe mich für den ein oder anderen zu qualifizieren und alle abzulaufen.

Passende Lektüre liegt schon auf dem Klavier. In diesem Buch sind sogar auf die jeweiligen Rennen abgestimmte Trainingspläne enthalten.

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In dieser Woche habe ich auch meine ersten beiden Crossfiteinheiten gemacht. Es war hart. Nach knapp 5 Wochen ist gefühlt alles weg. Unfassbar. Mir tut heute noch alles von Montag weh. Im Bett kann ich mich kaum drehen. Es ist absurd. Ich mache nun eisern morgens und abends jeweils mind. 10 mobility sonst falle ich auseinander. Nach dem Marathon tat mir der rechte Fuss weh, dann wieder die Hüfte… Crossfit hat mir die Schultern geschreddert (waren es die Cleans oder die Pull ups???) und momentan fühle ich mich wie ein 10er Pack Eier der aus dem Einkaufswagen gefallen ist. Sehr fragil und lädiert aber schön. Ich lebe. Und spüre es in jedem Muskel :)))

In diesem Sinne wünsche ich eine sportliche Woche!

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